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Schulprogramm

Kinderkonferenz

Stand: Juni 2016

Kurzer Rückblick: Im Schuljahr 2006/07 wurde in einigen Klassen mit großem Erfolg das Instrument des „Klassenrates“ eingeführt. Mit Beginn des Schuljahres 2016/2017 wird diese Form der Versammlung „Kinderkonferenz“ heißen und verbindlich in allen Klassen und Gruppen stattfinden.

seit 2013/2014 ist das „Soziale Lernen“ im Schulprogramm verankert, hier sind auch Elemente des Klassenrates enthalten
seit 2014/2015 ist das Schülerparlament etabliert seit 2015/2016 finden sich in allen Klassen (und somit Gruppen) ausgebildete Streitschlichter

2015/2016 fand ein pädagogischer Ganztag des Vor- und Nachmittags statt, der sich mit dem Klassenrat beschäftigt hat. Es gab Vorschläge zur Änderungen, die im Anschluss an den Ganztag erprobt wurden. Nachträglich wurden die Eindrücke aus Sicht aller Betroffenen evaluiert und in den verschiedenen Gremien besprochen. Das Schülerparlament hat den Klassenrat in Kinderkonferenz umbenannt und die erprobten Änderungen – wie sie im unten stehenden Konzept dargestellt sind - beschlossen.

  

Konzept zur Kinderkonferenz

(ehemals „Klassenrat“)

Die Kinderkonferenz ist die regelmäßige Versammlung (grundsätzlich einmal wöchentlich jeweils zur selben Zeit) aller Kinder der Klasse und der Klassenlehrerin sowie der Nachmittagsgruppen. Die Versammlungen können auch übergreifend stattfinden (Tandem).
Die Kinderkonferenz bildet ein wichtiges Instrument zur sozialen, moralischen und demokratischen Erziehung. Sie stellt ein wichtiges Element der Klassen- und Gruppenbildung und –dynamik dar. Das Klassen- bzw. Gruppenleben wird gestaltet, es finden soziale Prozesse statt und die Achtsamkeitsregeln finden Anwendung. In der Kinderkonferenz werden Konflikte vorgestellt, besprochen und gemeinsam Lösungen gefunden, die von allen akzeptiert werden. Die Kinder werden ermutigt, eigene Meinungen zu formulieren, respektvoll mit Anderen umzugehen, Empathie zu üben und Dissens auszuhalten.
Die Kinderkonferenz wird geleitet von einem Vorsitzenden/einer Vorsitzenden, darüber hinaus kann es noch weitere Ämter (Protokollant/in, Zeitwächter/in, Zähler/in der Redebeiträge und Vorschläge…) geben.
Die/der Vorsitzende beruft die Kinderkonferenz ein, erteilt das Wort und achtet auf die Einhaltung der Gesprächsregeln (wer den Redegegenstand (Stein o.ä.) hat, darf sprechen). Als Orientierung gelten die Abläufe: Wochenrück- und Wochenausblick, Planung, Streitschlichtung, Wünsche, positive Gruppenerlebnisse.

Ziele

Die SchülerInnen erleben sich als Gemeinschaft erleben und sie gestalten das Klassen- bzw. Gruppenleben mit.
Die SchülerInnen sammeln Erfahrungen für demokratisches Verhalten, z.B. Mitsprache, Mitwirkung, Fremd- und Selbstbestimmung, Beteiligung und Nicht-Beteiligung, Umgang mit Konflikten auch mit Gewalt und Macht, Umgang mit Differenz, mit Rechten und Pflichten, mit tolerantem und intolerantem Verhalten.
Die SchülerInnen lernen, Regeln zum gemeinsamen Leben und Arbeiten in der Schule aufzustellen.
Die SchülerInnen verbessern ihre Urteilsfähigkeit und sie üben sich einzumischen sowie sich aktiv an Interaktionsprozessen zu beteiligen (indem sie Möglichkeiten kennenlernen, Differenzen anzusprechen, Streit zu schlichten, Gesprächsregeln anzuwenden, Diskussionen zu führen usw.).

Abläufe

Die Kinderkonferenz findet wöchentlich statt und besitzt eine feste Struktur. Eine wertschätzende Umgebung und Stimmung ist dabei gewünscht. Die Kinder legen 1 – 2 Steine auf vorgegebene und bekannte Symbole (sie stehen für glücklich, traurig, wütend, Konflikt, Versöhnung, Wunsch/Idee). Jedes Kind benennt, weshalb es (im Wochenrückblick oder aus aktueller Befindlichkeit) den Stein entsprechend gelegt hat.
Ideen/Wünsche können evtl. aufgegriffen werden, die Kinder können sich „die Hand reichen“ und Konflikte werden besprochen. Hier geht es darum, alle betroffenen Seiten zu hören und Vorschläge zu formulieren. Damit es nicht zu ausufernden und wiederholenden Beiträgen kommt, kann eine bestimmte Anzahl an Wortbeiträgen festgelegt werden, die von einem „Wächter“ gezählt werden (z.B. in Form von Sprechblasen als Symbol).

Auch Planung und Organisation im Sinne einer gemeinsamen Gestaltung des sozialen Miteinanders in der Klasse und Gruppe erfolgen in der Kinderkonferenz.
Mitteilungen aus dem Schülerparlament werden weitergegeben oder auch Anregungen an das übergeordnete Gremium formuliert.
Schön ist es, wenn im Rahmen der Kinderkonferenz-Stunde auch gemeinsame Erlebnisse, wie Spiele, „warme Dusche“,… erfolgen.

Hintergrundinformationen

Die Kinderkonferenz leitet sich aus den Ideen zum Klassenrat ab. Hier finden sich einige wesentliche Inhalte zum ursprünglichen Klassenrat:

Kinder beteiligten – Demokratie lernen in der Grundschule
Beispiel: Klassenrat

Der Demokratie-Begriff ist in den letzten Jahren einer deutlichen Wandlung unterlegen.
Demokratie wird nicht mehr nur vorrangig als Staatsform angesehen, sondern als eine Lebensform. „Demokratie wird verstanden als gesamtgesellschaftlicher Prozess, als Inbegriff aller Aktivitäten, dessen Ziel es ist, autoritäre Herrschaftsstrukturen aufzudecken und durch Mitbestimmung und Selbstbestimmung zu ersetzen. Damit umfasst Demokratie auch Familie, Erziehung und Schule.“ (Karlheinz Burk: Demokratie lernen in der Grundschule – Fragezeichen, in: Kinder beteiligen – Demokratie lernen? Hrsg. Von Karlheinz Burk, Angelika Speck-Hamdan, Hartmut Wedekind. Beiträge zur Reform der Grundschule. Grundschulverband Band 116, Frankfurt 2003, S. 17/18)
Diese partizipatorischen Ansätze lassen es nötig erscheinen, in der Schule schon dafür zu sorgen, dass die Kinder zu demokratischem Verhalten und Handeln, zur Übernahme von Verantwortung fähig werden.
Nun gibt es aber einen deutlichen Unterschied zwischen pädagogischem Handeln in der Schule und politischem Handeln. Wir können nicht Regeln für das Leben in der Klassengemeinschaft mit Regeln in der Gesellschaft gleich setzen.
„Schule ist keine Demokratie im Kleinen, sondern folgt einer ihr eigenen Logik.“ (ebd. S. 21)
Doch kann in der Schule der Ort sein, um Erfahrungen in demokratischem Verhalten zu sammeln: z.B. Mitsprache, Mitwirkung, Fremd- und Selbstbestimmung, Beteiligung und Nicht-Beteiligung, Umgang mit Konflikten auch mit Gewalt und Macht, Umgang mit Differenz, mit Rechten und Pflichten, mit tolerantem und intolerantem Verhalten (nach S. 23).
Gerade die Grundschule bietet hier für Kinder ein entscheidendes Erfahrungsfeld und Möglichkeiten der Reflexion. Hier kommen Kinder aus unterschiedlicher sozialer Herkunft, aus verschiedenen ethnischen Traditionen und Familienstrukturen. Trotz dieser unterschiedlichsten Bedingungen müssen sie über Jahre zusammen lernen, den täglichen Umgang mit einander zu gestalten.
Vorschläge für Konsequenzen im Schulunterricht macht u.a. U. Preuss-Lausitz (Ulf Preuss-Lausitz: Möglichkeiten zivilgesellschaftlicher Sozialisation – Wie man von Anfang an Demokratie lernen kann. S. 33/34)

  • Partner- und Gruppenarbeit
  • Präsentation von Arbeitsergebnissen
  • Wahlmöglichkeiten für eigenes Lernen
  • Offene Unterrichts- und Lernformen
  • Diskussionen leiten
  • Gesprächsregeln
  • Streitschlichtung
  • Hilfe geben und einfordern
  • Unterschiede offen ansprechen (z.B. körperliche Beeinträchtigung, Krankheiten besondere familiäre Belastungen)
  • Reflexive Koedukation
  • Engagement innerhalb und außerhalb der Schule
  • Leistungen der Kinder auf jedem Gebiet auch öffentlich würdigen
  • Ein verbindlicher Schulethos
  • Rolle des Lehrers als „lernender Lehrer“

Diese aufgezeigten Beispiele lassen sich vielfältig im Unterricht einsetzen und verwirklichen.
Neben diesen Möglichkeiten, Erfahrungen für demokratisches Verhalten zu sammeln (zu gewinnen), bietet das Instrument des „Klassenrates“  darüber hinaus noch die Möglichkeit, Differenzen anzusprechen, Streit zu schlichten, Gesprächsregeln anzuwenden, Diskussionen zu führen und zu leiten, tolerantes Verhalten einzuüben und mit Dissens zu leben, Ich-Stärke und Empathie zu gewinnen.

Die Aufarbeitung von Konflikten kann eine Situation des Lernens entstehen lassen und zur moralischen Entwicklung der Kinder beitragen. Fragen der Moralentwicklung, auch im Zusammenhang mit philosophischen Gedanken finden zunehmend Eingang auch in die Grundschule. Selbstbestimmung, Mitsprache Mithandeln, Partizipation erfordern „soziale“ und moralisch vertretbare Verhaltensweisen.
Piaget hat sich u.a. in einer Veröffentlichung mit dem Titel „Das moralische Urteil beim Kinde „ mit der Entwicklung von Moral bei Kindern befasst.
In seiner Untersuchung kommt er zu dem Ergebnis, „dass Kinder eine autonome Moral erst in der Beziehung zu Gleichaltrigen entwickeln können“. Voraussetzung dazu „ist seiner Meinung nach die Auseinandersetzung der Gleichaltrigen unabhängig von der Autorität der Erwachsenen.“ (ebd. S. 60)

Auch L. Kohlberg wies nach, „dass Kinder, die ausgiebig an Peer-Aktivitäten beteiligt waren, hinsichtlich ihrer Moralstufe fortgeschrittener waren als solche, die kaum Gelegenheit zur Auseinandersetzung mit anderen hatten.“ (ebd. S. 60)

 Keller und Edelstein kommen in ihrer Untersuchung ebenfalls zu dem Ergebnis, „dass die Chance im selbstständigen Lösen von Konflikten größer ist, wenn Kinder frühzeitig an Konflikthandlungen beteiligt werden“. (ebd. S. 61) Dies „stellt ihrer Meinung nach eine bedeutende Voraussetzung für die Konzeption des Selbst dar“ (vgl. Edelstein/Keller 1993, S. 307-334).

Als Schlussfolgerung daraus liegt es nahe, Kinder zu befähigen, Konflikte möglichst autonom zu regeln und ihnen das nötige Rüstzeug in der Schule zu geben. Regelmäßig stattfindende Sitzungen eines „Klassenrates“ können ein Forum dazu sein.

Der Psychologe J. Youniss stellt fest, dass die Erfahrung mit den von Kindern selbst moderierten Klassenratsgesprächen besonders erfolgreich ist, wenn die
Lehrenden sich dazu verstehen können, die „einmal abgegebene Verantwortung bei den Kindern zu lassen.“ (ebd. S. 63)

Es wird also deutlich, dass das Erreichen der angestrebten Ziele (moralische Entwicklung, demokratische Verhaltensweisen) wesentlich von der Position der Lehrerin abhängt. Wie schwer es fällt, in der Klasse die Macht an die Kinder zu übergeben, weiß ich aus eigener Erfahrung. Das muss gar nicht heißen, dass ich als Lehrerin immer das Heft in der Hand behalten muss, weil ich sonst keine Autorität bei den Kindern mehr habe. Ängste und Befürchtungen, dass Kinder möglicherweise mit den gestellten Aufgaben überfordert sind, der Klassenrat als Institution eventuell sogar daran scheitert, spielen häufig eine größere Rolle.

Da aber die Anforderungen des Klassenrats an die Kinder besonders wichtige allgemeine Bildungs- und Erziehungsziele beinhalten, erscheint es sinnvoll – besonders wenn günstige Unterrichtsvoraussetzungen (z.B. in Form von offenen Unterrichtsituationen wie Freiarbeit, Wochenplanarbeit usw.) gegeben sind, auch den Klassenrat bereits im ersten Schuljahr einzuführen.

Über beratende Gesprächskreise, in denen grundlegende Regeln erarbeitet werden, können später kürzere oder längere Gesprächsphasen auch von Kindern geleitet werden. Den Kindern sollte die Funktion des Klassenrats verständlich gemacht werden, so dass sie die Möglichkeiten erkennen und nutzen können.

Auch die Zeitspanne der Aufmerksamkeit muss auf das Alter der Kinder abgestimmt werden.

Es ist die Aufgabe der Lehrerin, den Kindern „bewährte Strukturen zum Ausprobieren anzubieten, die es ihnen getreu dem Leitsatz Montessoris „Hilf mir, es selbst zu tun!“ rasch ermöglichen, den Klassenrat weitgehend selbständig und erfolgreich durchzuführen.“ (Martin Göb. Klassenrat: Unbequem, aber klasse! In: Kinder beteiligen…. Ebd. S. 210)